Himmelfahrtskommando

Um es vorwegzunehmen. So schlimm war unser Tripp nach Belgien natürlich nicht. Es ist eher eine Anlehnung an die Tatsache, dass wir (Christian, Charles, Mario, Hans, Pascal und Dominik) an dem Freitag Abend nach Christi Himmelfahrt, nachdem wir uns bei Christian getroffen und die Ausrüstung auf die Autos verteilt hatten, in Richtung Philippeville aufgebrochen sind, um einmal die Seen vor Ort zu betauchen.

planvodelee_sAuf dem Campingplatz Le Cheslé angekommen wurden wir auch freundlich empfangen und konnten uns auf dem fast noch unbelebten Campingplatz ein Plätzchen für unsere drei Autos und ein Zelt aussuchen. Gegen 21:00 waren wir natürlich auch hungrig genug, um gleich einmal den Grill auszupacken und die ersten Fatzen Fleisch in einen essbaren Zustand zu verwandeln. Garniert wurde der Grill zur Abwechslung auch einmal mit Brokkoli.

Die erste Nacht war in den frühen Morgenstunden schnell vorbei, denn die direkt gegenüber angesiedelten Gänse und Hähne ließen sich natürlich nicht den Spass entgehen, uns mit dem ersten Sonnenlicht gleich einmal mitzuteilen, dass wir an dem Tag noch einiges vorhätten und dementsprechend gefälligst auch früh aufstehen sollten.

Der erste See sollte Carrière de Vodelée sein, doch dort angekommen wurde uns erst einmal klargemacht, dass wir doch erst für nachmittags reserviert hatten. Nungut, fuhren wir weiter (bzw. zurück) und suchten die Basis an dem Stausee Plate Taille. Dort war alles toll organisiert, wenn auch für uns Stau-Taucher, die normalerweise ohne Anmeldung einfach irgendwo am See ein Plätzchen suchen und ins Wasser hüpfen, sehr aufwendig. Von jedem Taucher wurden erst einmal die Namen und Brevetstufen notiert und pro Tauchgang musste jeder (nein nicht jeder, Ausbilder sind hier frei!) 3 Euro bezahlen, aber die Sache war es auch wert. Der Ein-und Ausstieg ist bequem zu erreichen, es gibt einiges an extra für Taucher versenkten „Wracks“ (Bus, Helicopter, Silo, Fass, Schilder, etc.) zu bestaunen und auch Toiletten und eine Füllstation sind vor Ort. Zudem gab es hier die besten Fritten, die wir an dem ganzen Wochenende bekommen konnten. Hierzu noch ein Tipp: Wer meint, er müsste gleich zwei Portionen bestellen, weil man die deutschen Pommesgrößen gewohnt ist, sollte lieber darüber nachdenken, es erst einmal mit einer Portion gut sein zu lassen.

Als nächstes ging es dann wieder zurück zum Carrière de Vodelée, einem ehemaligen Marmorsteinbruch, der eine Maximaltiefe von 40m aufzuweisen hat. Hier mussten wir uns vorher schon (per eMail) anmelden und bekamen auch eine Zeit zugeteilt, zu der wir tauchen konnten (woran wir morgens ja nicht mehr gedacht hatten). Auch hier mussten wieder alle Taucher namentlich genannt und deren Brevetstufen notiert werden. Zudem kostete der Tauchgang 5 Euro, was eigentlich nicht zuviel ist, denn die Sicht war ganz OK, die vom ehemaligen Steinbruch übergebliebenen Seilwinden und Maschinen und zusätzlich platzierten Wracks waren ganz interessant und auch einiges an Fischen zu bestaunen. Vor allem für Leute, die gerne einmal auf Tiefe gehen möchten, ein wirklich netter See. Lediglich der Zugang vom Parkplatz bis vor den bequemen Einstieg ist nix für Leute in Trockentauchanzügen mit dünnen Neoprenfüsslingen – es sei denn, man möchte die Fußsohlen mal wieder kräftig durchblutet wissen. Toiletten findet man hier ebenso vor wie eine Fast-Füll-Station (komplett befüllt dürfte man Flaschen mit 150-170 Bar nämlich nicht gerade nennen).

Nach dem insgesamt dritten Tauchgang an diesem Samstag waren wir abends auch entsprechend hungrig, suchten noch schnell einen Supermarkt, der dank POIs im TomTom auch verhältnismäßig schnell gefunden war (OK, der erste machte pünktlich um 19:00 zu und 19:01 ist halt zu spät) und am Campingplatz angekommen gab?s auch wieder das obligatorische Grillen. Noch bevor es ganz dunkel war, waren auch schon alle in ihren Fallen, so dass uns das morgentliche Wecken der Tierwelt dieses Mal nicht wirklich störte.

Als letzten See schauten wir uns dann noch Roche Fontaine an, der wiederum etwas für Tiefenjunkies ist. Um eben diesem Umstand halbwegs zu entsprechen, werden hier die Brevets auch peinlichst in Augenschein genommen und da wir auch noch einen P1 (CMAS*) dabei hatten, hätten wir hier eigentlich gar nicht tauchen dürfen. Erst als wir das hochheilige Versprechen abgaben, nicht tiefer als 20m zu gehen, bekamen wir für 4 Euro pro Taucher auch die Erlaubnis, in den See zu steigen. Hier war der Zugang vom Parkplatz bis zum See übrigens noch weniger für dünne Neoprenfüßlinge geeignet und dementsprechend sorgte die anschließend vorgefundene Sicht im See auch nicht gerade für einen Ausgleich. Dieser See ist also wirklich nur für Tauchgänge geeignet, bei denen Tiefe und festes Schuhwerk angesagt sind. Fazit: hier kommen wir noch einmal hin, wenn wir Prüfungstauchgänge auf Tiefe mit fortgeschrittenen Tauchern machen wollen. Die zuvor gesehenen Seen waren da schon attraktiver. Das Drumherum war allerdings schon OK. So gab es auch hier eine Füllstation, ein Restaurant und natürlich Toiletten.

Auf dem Rückweg in Richtung Deutschland wollten wir uns noch kurz Carrière de la Croisette ansehen, doch dort war das Gelände schon abgesperrt. Das nächste Mal sollten wir halt doch die Öffnungszeiten genauer studieren.

Alles in allem war es ein gemütliches und voller neuer Eindrücke bespicktes Wochenende, das uns neue alternative Seen für Tauchwochenenden beschert hat. Selbst für einen Tagestripp sind 2 Stunden Fahrtzeit noch akzeptabel.