Vereinsfahrt an die Côte d’Azur

Für 2012 stand zur Abwechslung mal wieder eine Vereinsfahrt ans Mittelmeer an. Zum Abschluss des Sommers wollten wir noch einmal Sonne tanken, Salzwasser schmecken und im warmen Wasser eine größere Artenvielfalt an Flora und Fauna erleben, die nach den Süßwassertauchgängen in den heimischen Stau- und Baggerseen einen tollen Abschluss der Sommersaison setzen sollte.

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Freitag abend gings endlich los: Auto beladen, im Navi die Zieladresse eingegeben und ab auf die Autobahn in Richtung Côte d’Azur. So eine Nachtfahrt hat zwar den Vorteil, dass die Straßen weitestgehend frei sind, jedoch schlaucht sie doch ganz schön. So waren wir froh, dass wir am Samstag morgen auf dem Campingplatz auch direkt ein Mobil Home bekamen, in dem wir uns direkt erst einmal schlafen legen konnten. Nach zwei Stunden wurden wir aber ziemlich rabiat von einem Hagelschauer aus dem Schlaf gerissen. Nachmittags checkten wir beiHansi Hähner ein, wo wir uns auch gleich einmal den ziemlich antiquierten Junker-Kompressor anschauen konnten, der entgegen seinem ersten Anschein mit einer Lieferleistung von 2000l/min saubere Luft in unsere Flaschen füllte. Die Ausrüstung fand in einen Container ihren Platz und alles, was nicht direkt an der Flasche montiert war, sollte zu den Tauchgängen in schicke blaue Ikea-Tüten gepackt werden, um dann von der Basis auf den Pritschenwagen und von dort am Hafen auf das Boot getragen zu werden.

Am Sonntag morgen ging dann der erste Tauchgang zur Gewöhnung an das Salzwasser und dem obligatorischen Bleicheck zum Sec Gendarme, einem eher unspektakulären Tauchplatz. Auch der Pointe du Chevalier am Nachmittag eignete sich eher dazu, noch ein wenig an der Wasserlage zu feilen und ein paar Übungen durchzuführen.

vf2012_01Montags zeigte sich der Himmel dann endlich von seiner Sonnenseite und am Sec Pascal gab es dann auch das zu bestaunen, was wir uns vom Tauchen im Mittelmeer erhofft haben: Zackenbarsche, ein Barakuda-Schwarm, Gorgonien, Muränen, Krustenanemonen und jede Menge Brassen. Escampo am Nachmittag war dann eher von der Riffformation her interessant und der Tatsache geschuldet, dass die Nachmittagstauchgänge eher etwas für Anfänger und Kinder waren und somit nur Plätze angefahren wurden, an denen nix kaputt gemacht werden kann.

Während sich die meisten der Truppe am Dienstagmorgen mit dem Kanu bei strahlendem Sonnenschein am Strand der Halbinsel vergnügten, wurde das erste Wrack der Woche, die Michel C, betaucht. Hier kam Christian auch in den Genuss, für ein paar Sekunden einem Mondfisch zu Gesicht zu bekommen. Der Bewuchs am Wrack war toll. Neben Brassen waren auch Conger und Zackenbarsche zu bestaunen und mit einer Tiefe von 37m war der Tauchgang eine gute Vorbereitung für die zwei nachfolgenden Wracktauchgänge. Piscine de Mèdes am Nachmittag war dagegen wieder mit 17m ziemlich flach, dafür aber sehr fischreich. Vor allem die Schwärme an Brassen waren dort Tauchern gegenüber sehr gelassen.

Die Donator stand dann für Mittwoch auf dem Programm und dort wurde auch klar, warum die Wracks in Südfrankreich nur von höher brevetierten Tauchern betaucht werden dürfen: Die Boote machen nicht an den Bojen fest sondern lassen die Buddyteams neben der Boje abspringen und je nach Strömung sollte man zusehen, zügig an die Leine zu kommen und diese auch zum Abstieg nutzen, will man nicht schon völlig außer Atem und mit nur noch zwei drittel gefüllter Flasche nach dem Kampf gegen die Strömung unten am Wrack ankommen. So kann es dann auch passieren, dass man erst am langen Schlauch des Tauchpartners wieder zur Ruhe kommt und das Leben am und im Wrack genießen kann, bevor man beim Aufstieg wieder an der eigenen Flasche nuckelt und sich von der Strömung auf den Dekostufen einfach davontreiben lässt. Das Tauchboot sammelt einen danach schon ein. Rocher des Médes war dann nachmittags wieder eher etwas zum Entspannen und Genießen. Die Farbenbracht der Gorgonien im Lampenlicht fasziniert doch immer wieder und die Fischschwärme scheinen sich schon sehr an Taucher gewöhnt zu haben.

Das absolute Highlight der Woche war donnerstags La Gabinière vor der Küste der Insel Port Gros, dessen Status als Naturschutzgebiet einem Massen an photogenen Zackenbarschen und Barakudas bescherte und auch unseren „P1“ ein unvergessliches Erlebnis war. Der Nachmittagstauchgang am Pointe de Montrémian war dank seiner abwechslungsreichen Unterwasserlandschaft ebenfalls ein Erlebnis und die „Skipiste“ lud zur obligatorischen Abfahrt ein.

vf2012_03Für die Tiefenjunkies stand am Freitag zum Abschluss bei absolut glatter See und kaum merklicher Strömung das Wrack der Le Grec auf dem Programm. Unser Cousteau-Jünger bastelte sich vorher mit seiner GoPro eine Kopfhaubenkamera, die selbst McGyver hätte erblassen lassen und so konnten auch alle anderen, die nicht in den Genuss dieses schön bewachsenen und vor Fischreichtum nur so strotzenden Wracks kamen, im Anschluss den Tauchgang so erleben, als wären sie dabei gewesen. Nachmittags durften dann auch alle anderen an der Cimentier ihre Wrackerfahrungen sammeln, was allerdings auf ca 5m eher einer Penetration mit Rudelcharakter gleichkam und die anschließenden Felsspalten rund um den Leuchtturm schon eher nach unserem Geschmack waren.

Am Freitag abend ließen wir es uns bei einem Barbecue auf der Basis noch einmal gut gehen und hatten auch ausreichend Gelegenheit, die Woche revue passieren zu lassen: Ein Tauchgebiet, dass sowohl für Wrackliebhaber als auch Naturbegeisterte lohnenswert ist, eine tolle Tauchbasencrew und ein Campingplatz, der sehr gepflegt ist, beim nächsten Mal aber sicherlich Moskitonetze auf die Checkliste setzen lässt.

 

(Bericht von Hans Holz)